Arbeitnehmer ü55: Auswirkungen des Alters auf Personalentscheidungen

Mittwoch, 21. Februar 2018, 16:50 Uhr

Im vergangenen Jahr führte ich eine Untersuchung über die Einstellung von Personalmitarbeitern gegenüber Arbeitnehmern, die älter als 55 Jahre sind – sogenannte Best Ager, durch. Dafür führte ich eine Umfrage im Rahmen einer Masterarbeit durch. Ziel der Arbeit war es, herauszufinden, wie die Chancen für Menschen mit mehr als 55 Lebensjahren stehen, im Bewerbungsverfahren berücksichtigt zu werden beziehungsweise inwieweit dieses Alter Personalentscheidungen beeinflusst. Die Umfrage ist abgeschlossen und die Ergebnisse mittlerweile ausgewertet. Die Auswertung finden Sie unten stehend.

ITK-Personalmitarbeiter vergleichsweise positiv eingestellt gegenüber ü55-Mitarbeiter 

Es muss festgestellt werden, dass es durchaus Ressentiments gegenüber erwerbsfähigen Personen, welche älter als 55 Jahre sind, in den Köpfen der befragten Personalmitarbeiter gibt. Jedes negative Vorurteil, welches in der Umfrage platziert worden ist, hat Befürworter gehabt. Meistens überwogen zwar die positiven Einstellungen gegenüber der untersuchten Arbeitnehmergruppe, aber mit unterschiedlicher Deutlichkeit und in zwei Fällen gab es sogar mehr negative Meinungen (Ältere nehmen Veränderungen weniger gut an und Älteren fällt es schwerer, Neues zu erlernen). 

Die Annahme, dass die Personaler aus IT-Unternehmen insgesamt eine vergleichbar schlechtere Einstellung haben, hat sich jedoch als falsch erwiesen. Oft haben sich die Teilnehmer aus der Branche sogar wohlwollender gegenüber ü55-Mitarbeitern als Personalmitarbeiter anderer Geschäftsbereiche gezeigt. Jedoch musste auch festgestellt werden, dass diese Unternehmen sehr viel weniger ü55-Arbeitnehmer beschäftigen. 

ITK-Branche muss positive Einstellung gegenüber ü55-Mitarbeiter stärker kommunizieren.

Es kann also festgehalten werden, dass es negative Vorurteile gegenüber Älteren in der ITK-Branche gibt, diese aber nicht von der Mehrheit gehegt werden. Positive Altersklischees erfahren hingegen starken Zuspruch. Der Umstand, dass in der Branche wenig Best Ager beschäftigt werden, relativiert dieses Ergebnis ein wenig, denn offenbar wird diese positive Einstellung nicht nach außen getragen. Es sollte vor diesem Hintergrund also mehr dafür getan werden, für die Erwerbsgruppe attraktiv zu bleiben beziehungsweise zu werden. 

Nachhaltige Angebote zur Gesundheitsförderung, zur Weiterbildung, interessante Arbeitsgestaltung und Unterstützung im familiären Umfeld sind hier Ansätze, welche in die richtige Richtung gehen. Junge Unternehmen sollten gegebenenfalls deren Kommunikationsstrategie ändern, um auch die älteren Semester anzusprechen. Die Personalabteilungen sind sehr kreativ, wenn es darum geht, Nachwuchs zu werben – warum nicht auch für Potentials mit Erfahrung?

Auswertung der Studie zum Download: